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19.12.2008
"Schloss sprengt den Kostenrahmen" (aus: 'Neues Deutschland' vom 18.12.2008)
Architekt soll weniger Stuck verarbeiten und Gebäude billiger machen
Bei der Präsentation des Siegerentwurfs für den Stadtschloss-Nachbau gab sich Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) noch überzeugt: Der Entwurf lasse die Einhaltung des Kostenrahmens von 552 Millionen Euro zu. Gut zwei Wochen später stellt sich das schon ein wenig anders dar. In einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestags muss das Bauministerium eingestehen, dass die Pläne des italienischen Architekten Franco Stella erheblich abgespeckt werden müssen. Denn diese wiesen »Merkmale auf, die in der Kostenzusammenstellung nicht oder zumindest nicht oder zumindest nicht in diesem Umfang vorgesehen sind«, heißt es in dem Papier.
Demnach sprengen vor allem jene Vorhaben des Architekten den Kostenrahmen, die die Schlossfans jubeln ließen. Stella will nicht nur drei Außenfassaden und den Schlüterhof, sondern auch den Eosanderhof sowie alle sechs Schlossportale rekonstruieren und auch die Kuppel originalgetreu wiederherstellen. Zu den Preistreibern gehören ebenfalls die vollständige Überbauung des Eosanderhofes, der Erhalt der Kellerreste, das neue »Aussichtsbauwerk« Belvedere an der Ostseite und die Überschreitung des Raumprogramms um 2000 Quadratmeter.
Der Architekt habe mit seinen zusätzlichen Portalen und zu rekonstruierenden Fassaden »ziemlich dick aufgetragen und den Schlossbefürwortern Honig ums Maul geschmiert«, kritisierte die haushaltspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Gesine Lötzsch. »Die Jury hätte wissen müssen, dass diese Vorschläge den Finanzrahmen sprengen. Das ist gegenüber den anderen Teilnehmern des Wettbewerbs, die sich an den Kostenrahmen gehalten haben, nicht ganz fair.« Lötzsch forderte die Bundesregierung auf darzulegen, wie viel die Pläne des Architekten tatsächlich kosten werden und wo Einsparungen vorzunehmen seien, um den Kostenrahmen einzuhalten. In die gleiche Kerbe schlägt der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP). Tiefensee müsse offen sagen, »was es kostet, damit nicht im Nachhinein stückchenweise draufgezahlt werden muss«.
Über die Mehrkosten des Stella-Entwurfs hüllt sich das Bauministerium jedoch in Schweigen. Gleichwohl geht es davon aus, dass er »eine gute Grundlage zur wirtschaftlichen Realisierung des Gebäudes innerhalb des vorgegebenen verbindlichen Kostenrahmens« bildet. Allerdings nur nach »weiterer Analyse und Überarbeitung«. Das Ministerium selbst empfiehlt, die Rekonstruktion von drei Portalen und der Eosander-Fassaden »zumindest zurückzustellen« und die historischen Schlosskeller nur teilweise zu erhalten und als »archäologische Keller« im Untergeschoss zu präsentieren. Außerdem sei das Raumprogramm mit einer Obergrenze von 40 000 Quadratmetern strikt einzuhalten.
Architekt Franco Stella kündigte inzwischen an, alle Sparvorschläge zu prüfen. Die Einhaltung der Kosten sei sein wichtigstes Ziel.

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